Was macht ein Karrierecoach?

Ein Interview mit Dr. Bernd Slaghuis

Herr Dr. Slaghuis, Sie beschreiben Sich auf Ihrer Website als Coach bei allen Themen rund um Karriere, Bewerbung und Führung. Was genau ist denn eigentlich Coaching?

Ich erinnere mich an eine Definition meines Ausbilders Klaus Biedermann: „Coaching ist, Menschen auf angenehme Weise von dort, wo sie sind, dorthin zu bringen, wo sie sein wollen.“ Coaching ist also weder anstrengende Aufarbeitung der Vergangenheit noch die Analyse der genauen Hintergründe und Ursachen, die jemanden in eine belastende Situation geführt haben. Coaching ist immer ziel- und lösungsorientiert, denn der Lösung ist es egal, warum ein Problem entstanden ist.

Coaching ist eine freiwillige, zeitlich begrenzte und individuelle Begleitung von Menschen, die sie darin unterstützt, berufliche oder private Ziele zu erreichen. In meiner Haltung als Coach bin ich neutral und absichtslos meinen Klienten gegenüber. Es geht nicht darum, Menschen in eine bestimmte Richtung zu drängen, von der ich der Meinung bin, dass sie gut für sie ist. Als Coach gehe ich vielmehr davon aus, dass mein Gegenüber über alle Ressourcen und Fähigkeiten verfügt, selbst eine gute Lösung zu entdecken, sie oder er jedoch aktuell nicht in der Lage ist, diese Möglichkeiten für sich zu erkennen oder zu bewerten.

Ziel meiner Coachings ist es, durch mitunter auch ungewöhnliche Fragen, den Einsatz von Coaching-Tools und -Methoden sowie Impulsen gezielt neue Perspektiven zu eröffnen, so dass Klienten für sich und zu ihnen passende Lösungen und konkrete Schritte für eine gewünschte Veränderung entwickeln können.

Schaue ich in die Medien, dann ist Coaching dort heute alles und nichts. Ich sehe Laufsteg- und Knigge-Coaches und auch die Mitglieder der Jury einer Casting-Show nennen sich Coaches. Der Begriff ist nicht geschützt und so entsteht diese Menge an unterschiedlichen Bezeichnungen. Daher kann ich hier nur beschreiben, was Coaching für mich persönlich als Karriere- und Business-Coach bedeutet und was aus meiner Erfahrung ein gutes Coaching auszeichnet.

Und was ist der Unterschied zwischen Coaching und Beratung?

Berater verfügen über einen Wissensvorsprung oder spezifisches Branchen- und Fachwissen, das es ihnen ermöglicht, anderen Menschen – ohne dieses Wissen – einen Rat zu geben, ihnen ihr Wissen zu vermitteln oder ausgearbeitete Lösungen zu einer Problemstellung zu präsentieren. Denken Sie etwa an den Steuerberater mit seinem Wissen im Dschungel der Steuergesetze oder an den Unternehmensberater, der Strategien entwickelt oder Kosteneinsparpotenziale für Unternehmen aufdeckt.

Als Coach bin ich der Experte für den Prozess zur Lösungsfindung, jeder Klient ist der Experte für sich und sein Leben. Im Coaching geht es also weder um das Trainieren bestimmter Fähigkeiten, noch um eine Beratung durch Vermittlung von Fach- oder Expertenwissen.

Soweit die Theorie. Ich bemerke in meinen Coachings jedoch, dass viele Klienten auch zu mir kommen, um ein konkretes Feedback von mir als Person, ehemalige Führungskraft und Karriereexperte zu erhalten: Sie möchten wissen, ob ich ihre Idee zur beruflichen Veränderung für sinnvoll und Erfolg versprechend erachte oder sie möchten an meinen Erfahrungen teilhaben, welche Wege andere Menschen in vergleichbaren Situationen erfolgreich eingeschlagen haben. Ich sehe mich daher in einer Rolle zwischen absichtslosem Coach, neutralem Sparringspartner und Feedback-Geber. Denn natürlich bilde ich mir im intensiven Gespräch mit jedem Klienten auch selbst eine Meinung zu ihrem Verhalten und potenziellen Lösungen zu ihrem Anliegen. Doch auch dabei ist es mir wichtig, mich nicht über einen anderen Menschen zu stellen und etwas besser zu wissen, sondern auf Basis meiner Erfahrungen und eigenen Sichtweise ein Feedback auf Augenhöhe zu geben.

Mit welchen Themen kommen Menschen zu Ihnen ins Coaching?

Durch meine Positionierung als Karriere- und Business-Coach sind es überwiegend berufliche Themen, mit denen Klienten zu mir kommen. Fast immer geht es um die Frage, welcher nächste berufliche Schritt in einer bestimmten Arbeits- und Lebenssituation sinnvoll ist.

Viele meiner Klienten sind Angestellte im Alter zwischen Mitte 30 und Anfang 50, die sich noch einmal beruflich neu oder anders orientieren möchten. Die meisten Arbeitnehmer, die zu mir kommen, sind in ihren aktuellen Jobs hoch gefrustet, dauerhaft gelangweilt oder überfordert, einigen hat ihr Körper auch bereits die rote Karte gezeigt. Andere haben eine Kündigung erhalten und möchten die Suche nach ihrem neuen Arbeitgeber bewusst gezielter als bisher angehen. Wieder andere möchten einen Schritt auf der Karriereleiter zurückgehen, etwa ihre Führungsverantwortung abgeben oder mehr Zeit mit der Familie verbringen und sie bemerken, dass dieser Schritt als sogenannter Downshifter im heutigen Arbeitsmarkt schwerer als vermutet ist.

Insbesondere Angestellten in der Lebensmitte fällt es nach vielen Jahren im Beruf schwer, ihre Stärken und Potenziale einzuschätzen. Sie sind sich unsicher, welcher Karrierschritt sie als gute Entwicklung weiterführt, was im Arbeitsmarkt noch realistisch möglich ist und wie sie sich richtig als Bewerber zeigen.

Ein weiterer Schwerpunkt meiner Arbeit ist das Coaching von Führungskräften. Oft geht es um Schwierigkeiten in der Kommunikation mit dem eigenen Team oder um den besseren Umgang mit einzelnen Mitarbeitern. Einigen Führungskräften geht es auch um eine stärkere Selbstorganisation im Tagesgeschäft, ihre eigene Positionierung im Management oder um die strategische Ausrichtung ihrer Abteilung. Auch der Wunsch nach einer Begleitung in eine neu einzunehmende Führungsrolle kommt vor. Es geht um Fragen, wieviel Kontrolle wichtig ist, wie Delegation besser gelingt sowie um die Vorbereitung von Mitarbeitergesprächen oder die Gestaltung von Workshops mit dem eigenen Team.

Lassen Sie uns konkreter werden: Welche Fragen werden Ihnen häufig gestellt?

Bei allen beruflichen Veränderungthemen höre ich häufig „Ich habe mir bereits viele Gedanken gemacht, aber ich weiß nicht, was ich tun soll.“ Dieser Satz beschreibt das, was in den Köpfen vieler Klienten vor sich geht, wenn sie zum Telefon greifen oder mir schreiben. Sie sprechen von einem Gedankenkarussel, in dem sie sich schon lange Zeit mit und um sich selbst drehen, jedoch bisher keine Entscheidung für sich treffen konnten. Sie alle haben bereits Gespräche mit ihrer Familie, besten Freundinnen oder engsten Kollegen geführt. Sie haben Bücher und Karriere-Ratgeber gelesen, Tests ausgefüllt und das Internet nach Tipps durchforstet. Doch je mehr sie sich im Kreis drehen und je mehr Ideen ihnen durch den Kopf gehen, umso schwindeliger und orientierungsloser fühlen sie sich und umso schwerer fällt es ihnen, unterschiedliche Wege für sich zu priorisieren sowie gute Entscheidungen zu treffen.

Um es konkret zu machen, dies ist eine Auswahl von Fragen und Themen, mit denen sich viele Klienten an mich wenden:

  • Mein jetziger Job erfüllt mich nicht mehr, ich weiß aber nicht, was das Richtige für mich ist und wie ich einen Wechsel schaffen kann.
  • Ich träume davon, beruflich etwas zu verändern, schaffe es aber nicht allein.
  • Ich möchte aus meiner Branche raus, weiß aber nicht, was die Alternativen sind.
  • Mein Beruf belastet mich bereits gesundheitlich. Was kann ich tun, um einem Burnout vorzubeugen?
  • Ich bin arbeitssuchend und möchte diese Zeit nutzen, um über die nächste Position bewusst zu entscheiden.
  • Ich bin unter-/überfordert in meinem Beruf. Was kann ich tun?
  • Ich möchte im Beruf kürzer treten. Welche Möglichkeiten habe ich und wie verkaufe ich diesen Schritt als Bewerber?
  • Ich möchte wieder mehr Zeit mit der Familie verbringen. Wie kann ich mir hierfür im Beruf Freiräume schaffen?
  • Ich kenne meine Zielposition und benötige hierfür eine gute Bewerbungsstrategie.
  • Ich bewerbe mich viel, aber erhalte nur Absagen. Stimmt etwas mit den Unterlagen nicht oder verhalte ich mich in Vorstellungsgesprächen falsch?
  • Ich möchte meine Karriere langfristig planen und benötige hierfür Unterstützung.
  • Ich beginne demnächst eine neue Stelle und möchte mich dort richtig positionieren.
  • Ich stehe vor dem Berufseinstieg und benötige Orientierung, welche Positionen und welche Arbeitgeber zu mir passen.
  • Kann ich meinen Job einfach kündigen, ohne eine neue Stelle in Aussicht zu haben?
  • Soll ich ein Wechselangebot annehmen oder die anstehende Beförderung abwarten?
  • Soll ich den neuen Arbeitgeber in der Probezeit verlassen, wenn ich weiß, dass es dort für mich keine Zukunft gibt?
  • Kann ich mit Anfang 40 noch einmal ein Studium beginnen?
  • Habe ich mit über 50 noch eine Chance, den Arbeitgeber zu wechseln?
  • Bin ich für eine Führungsposition geeignet – und möchte ich das überhaupt?
  • Ich kann nur Teilzeit arbeiten, finde aber keine Stellen zu meiner Qualifikation.

Geht es im Coaching also ausschließlich um berufliche Themen?

Nein. Grundsätzlich ist Coaching für alle nicht-therapeutischen Anliegen aus dem privaten und beruflichen Bereich geeignet. Auch wenn die beruflichen Themen in meinen Coachings infolge meiner Positionierung im Fokus stehen, verbergen sich nicht selten hinter ihnen auch private und persönliche Themen: Ängste, Sorgen und eingeschliffene Verhaltensweisen, die Veränderungen blockieren, aber auch Probleme in der Partnerschaft, der Familie oder beruflich auf persönlicher Ebene mit Chef oder Kollegen sind keine Seltenheit.

Mir ist bei meiner Arbeit wichtig, dass ausnahmslos alle Themen einen Platz im Coaching erhalten, die in diesem Moment oder für die beabsichtigte Veränderung wichtig sind. Es bringt nichts, sich den schönsten Traumjob in den buntesten Farben auszumalen, wenn der Partner parallel die Scheidung einreicht. Es hilft nicht, den Arbeitgeber wieder einmal zu wechseln, wenn es das Muster aus Gewohnheit ist, beim kleinsten Problem mit dem Chef die Flucht anzutreten. Es ist unsinnig, im Coaching über irgendwelche schönen Ziele zu sprechen, solange die akute Wut über die frisch erhaltene Kündigung jegliche Lust auf die Zukunft zunichte macht. Häufig kommt es vor, dass berufliche Umbruchsituationen mit privaten Veränderungen einhergehen. Wir besprechen im Coaching, welche Themen Priorität haben und was für die Umsetzung des Anliegens in welcher Reihenfolge geklärt werden sollte.

Was zeichnet aus Ihrer Sicht ein gutes Coaching aus?

Es ist aus meiner heutigen Erfahrung genau diese Offenheit und Flexibilität als Coach, die einen guten Coaching-Prozess auszeichnet. Meine Wahrnehmungen offen anzusprechen, auch Emotionen einen Raum zu geben und zu spüren, was mein Gegenüber in diesem Moment benötigt. Das Coaching flexibel hiernach auszurichten, ohne das große Ganze aus dem Blick zu verlieren. Für mich ist ein gutes Coaching vor allem ein tiefgehend und gleichzeitig entspanntes Gespräch, welches meine Klienten in die Lage versetzt, mehr eigene Klarheit bezogen auf ihre Themen zu gewinnen. Mir ist es wichtig, dass meine Klienten nach dem Coaching einen konkreten Plan in der Tasche haben statt nur ein gutes Gefühl. Hierfür visualisiere und strukturiere ich häufig Ideen sowie Ergebnisse und fasse Unkonkretes nach.

Ich interessiere mich für die Menschen, die mir gegenübersitzen und möchte sie mit ihrer Denk- und Verhaltensweise sowie ihren persönlichen Wertevorstellungen und Weltbildern im Gespräch kennenlernen. Zu Beginn meiner Arbeit war ich sehr auf den Einsatz von Methoden fixiert, doch inzwischen weiß ich, dass ein gutes, zielorientiertes und fokussiertes Gespräch viel mehr wert ist als eine Hand voll Tools aus dem bunten Methodenkoffer.

Mir ist zudem Leichtigkeit im Coaching sehr wichtig. Wenn ich spezielle Übungen einsetze, dann sind diese meist spielerisch und machen Freude. So habe ich eine Art Kartenspiel entwickelt, um sich seiner wichtigsten Werte im Beruf bewusst zu werden. Und ich bin der Meinung, dass es im Coaching auch locker zugehen darf. Nicht nur, weil mir selbst die Arbeit so mehr Freude macht, sondern vor allem, weil ja die Themen, die Menschen zu mir führen, für sie schwer genug sind. Veränderung darf auch leicht sein und Freude machen.

Auch wenn ich verantwortlich für den Coaching-Prozess bin, hängt der Erfolg eines Coachings maßgeblich von der Mitarbeit des Klienten ab. Dass sie oder er sich auf den Prozess einlässt, sich öffnet und sich erlaubt, über bestimmte Dinge nachzudenken. Dass das echte Interesse vorhanden ist, an Veränderung selbst zu arbeiten. Denn schließlich geht es nicht um die Lösung, die ich auf dem Silbertablett serviere, sondern um die eigene Bereitschaft, Möglichkeiten und Wege zu entdecken sowie eigenverantwortlich an ihrer Umsetzung zu arbeiten.

„Das meiste geschieht zwischen den Sitzungen“, sage ich vielen Klienten im Vorgespräch. Es ist wichtig, ein Coachinggespräch sacken, Impulse wirken und das Unterbewusstsein arbeiten zu lassen, neue Ideen bewusst wahr- und anzunehmen sowie diese konsequent weiter zu verfolgen. Ein Coaching ist nicht mit Verlassen meines Büros beendet – ganz im Gegenteil. Je besser es jemandem gelingt, auch im Alltag Freiräume für die weitere eigene Arbeit an sich und der gewünschten Veränderung zu schaffen, umso schneller und besser wirkt ein Coaching.

Welche Inhalte umfasst bei Ihnen ein Coaching zur beruflichen Neuorientierung?

Ich habe kein festes Programm, das ich bei Anliegen zur beruflichen Neuorientierung abspule, denn jeder Neuorientierer benötigt eine andere Begleitung – und ein starres Vorgehen nach Schema-F wäre mir ehrlich gesagt auch selbst viel zu langweilig. Es gibt jedoch verschiedene Bausteine, die ich häufig einsetze:

Mit fast allen Klienten spreche ich sehr intensiv darüber, was ihnen in ihren Berufen und auch im Leben wirklich wichtig ist. Was genau steckt etwa hinter dem Wunsch nach mehr Sinn erleben, was konkret bedeutet für sie erfolgreich sein oder woran bemerken sie, dass es im Team kollegial zugeht? Die eigene Klarheit über die aktuell und in Zukunft wichtigsten Werte im Beruf ist aus meiner Erfahrung die grundlegende Basis für eine Neuorientierung.

Zudem werfe ich mit vielen Klienten einen Blick auf ihre Stärken und wir sprechen ebenso darüber, was ihr Fach- und Erfahrungswissen sowie auch ihre Persönlichkeit auszeichnet. Denn schließlich ist es immer dieses Gesamtpaket, das auf eine neue Zielposition bei beruflichen Veränderungen einzahlt. Ich sehe, dass sich insbesondere Berufserfahrene schwer damit tun, ihre Kompetenzen und Talente selbst einzuschätzen. „Das ist doch alles nichts Besonderes“, sagen mir viele von ihnen und übersehen, welchen echten Wert ihre Berufserfahrung hat.

Die meisten Jobwechsler verlassen ihren Arbeitgeber nicht aufgrund der Aufgaben, sondern weil das Arbeitsumfeld nicht mehr passt. Es geht oftmals nicht um das Was einer Tätigkeit, sondern um das Wie, Wo und mit wem. In meiner sogenannten „Traumjob-Übung“ erstellen wir eine Liste, was alles in einer idealen Position erfüllt sein sollte. Von der Art und Größe eines Arbeitgebers, der Branche, Produkte oder Dienstleistungen, über den Chef und die Kollegen, die Arbeitszeitregelungen, die Einrichtung des Büros, bis hin zum geträumt idealen Verhältnis zwischen Abwechslung und Routine oder dem Ausmaß der Reisetätigkeit. Auch wenn es diesen Traumjob genauso wahrscheinlich nicht gibt, sehe ich, dass viele diese Punkte bei ihrer Jobsuche nutzen, um gezielter nach Stellen zu suchen sowie die Attraktivität einer neuen Position für sich zu bewerten.

Ist die Richtung für eine Neuorientierung klar, sprechen wir oft über konkrete Positionsbezeichnungen sowie Branchen und Arbeitgeber, die passen könnten. Wir erarbeiten eine sinnvolle Such- und Bewerbungsstrategie und besprechen, welche Jobbörsen vielversprechend sind oder wie sinnvoll es ist, das eigene Profil samt Lebenslauf in Online-Portalen zu präsentieren oder sogar aktiv auf Headhunter zuzugehen. Im Anschluss erfolgt die Optimierung bestehender oder die Erarbeitung neuer Bewerbungsunterlagen. Mein Motto ist „Bewerber, zeigt Kante“ und so arbeiten wir gemeinsam an einem klaren Profil mit aussagekräftigem Lebenslauf sowie individuellem Anschreiben. Wer es wünscht, den begleite ich zum Ende des Neuorientierungsprozesses auch bei der Vorbereitung auf anstehende Bewerbungsgespräche sowie beim Einstieg in den neuen Job.

Können Angestellte ohne Führungsfunktion auch Coaching in Anspruch nehmen?

Ich unterscheide nicht nach Branchen oder Positionen innerhalb eines Unternehmens, denn die Fragen, die wir alle uns in beruflichen Veränderungssituationen stellen, sind unabhängig von Ausbildung, Berufserfahrung, Branche, Position oder Hierarchie-Ebene immer sehr ähnlich. Der Großteil meiner Klienten im Karriere-Coaching sind sogar Angestellte ohne Führungsfunktion: Vom jungen Bachelor-Absolventen, der sich fragt, welcher Berufseinstieg der richtige ist, bis hin zum 62-jährigen „alten Hasen“, der keine Lust hat, sich aufs Abstellgleis schieben zu lassen und noch einmal seinen Arbeitgeber wechseln möchte. Von der Assistentin, die mit dem neuen Junior-Chef nicht zurecht kommt, bis hin zum Innovationsmanager, der eine andere Branche mit für ihn spannenden Produkten entdecken möchte.

Wie oft ist Ihrer Erfahrung nach ein Coaching notwendig – reicht ein Treffen oder sollte ich das regelmäßig machen?

Klienten mit Anliegen aus dem Bereich der beruflichen Neuorientierung nehmen bei mir im Durchschnitt zwischen drei und fünf Sitzungen zu je zwei Stunden in Anspruch, also zwischen sechs und zehn Zeitstunden. Wir entscheiden von Termin zu Termin, ob und mit welchen Inhalten eine weitere Sitzung sinnvoll ist. Zwischen den Coachings sollten aus meiner Erfahrung etwa zwei Wochen liegen.

Kommen Klienten ausschließlich für ein Bewerbungscoaching etwa zur Vorbereitung eines Vorstellungsgesprächs zu mir, reichen oft einmalig zwei Stunden aus. Doch insbesondere für solche Themen, wo es um größere Veränderungen geht, halte ich es für wichtig, Coaching als Prozess zu gestalten. Denn Veränderung bedeutet immer auch ein Verlassen der eigenen Komfortzone, Ausprobieren von Neuem und am Ende die Schaffung neuer Routinen. Dies braucht Zeit – und auch etwas Übung im Alltag.

Meine Erfahrung zeigt zudem, dass das persönliche Gespräch vor Ort wirkungsvoller ist als ein Telefon- oder Skype-Coaching. Doch dies ist sicherlich abhängig von der individuellen Arbeitsweise eines Coachs – Und für manche Klienten mag auch ein Coaching auf Distanz geeigneter sein. Hier sollte jeder für sich selbst überlegen, was ein guter Rahmen für sein Coaching ist und in Erfahrung bringen, welche Coaches wie arbeiten.

Der Markt der Coaches ist groß. Wie finde ich den/die zu mir passende/n Coach?

Ja, das stimmt. Der Markt ist sehr unüberschaubar. Würde ich mir einen Coach für mich aussuchen, dann käme es mir vor allem auf Sympathie sowie ein gutes Gefühl nach einem ersten Kennenlernen an. Ich weiß, dass sich viele Klientinnen bewusst einen männlichen Coach auswählen, um nicht – wie sie selbst sagen – „bemuttert“ zu werden. Ob diese Gefahr tatsächlich besteht, mag ich nicht beurteilen, doch jeder sollte sich bei der Suche nach einem Coach selbst die Frage stellen, wie alt oder jung, wie erfahren und über welchen beruflichen Hintergrund ein idealer Sparringspartner verfügen sollte.

Ich biete wie die meisten meiner Kolleginnen und Kollegen allen neuen Klienten ein kostenloses telefonisches Vorgespräch an, um alle Fragen zu klären und das weitere Vorgehen zu besprechen. Informieren Sie sich über die Coaches in Ihrer Region, googeln Sie Ihre Themen in Verbindung mit „Coaching“, sprechen Sie mit Ihrem privaten Umfeld über Ihre Auswahl unterschiedlicher Coaches oder fragen Sie nach Empfehlungen. Auch ein Blick in Coach-Datenbanken kann sich lohnen, etwa auf Karriereexperten oder XING Coaches.

Was kostet ein Coaching?

Die Honorare für eine Coaching-Stunde schwanken im Markt stark und liegen zwischen 100 bis 300 Euro und mehr. Manche Coaches bieten Paketpreise an oder berechnen das Honorar auf Basis des Jahreseinkommens ihrer Klienten. Mein Honorar für Einzel-Coachings beträgt aktuell (Stand 1/2019) 175 Euro je Zeitstunde für alle Privatzahler, für Unternehmenskunden und Führungskräfte-Coachings erstelle ich individuelle Angebote. Sollte das Honorar nicht wie bei mir auf der Homepage ersichtlich sein, fragen Sie im Erstkontakt danach. Ich bemerke, dass dies Klienten bei Anfragen schwerfällt, halte jedoch auch in diesem Punkt Klarheit für wichtig, denn es ist schließlich eine Investition, die niemand zwischen Frühstück und Mittagspause entscheidet.

Wie können sich Besucher des Karrieretags auf ein Gespräch in der Coaching-Zone vorbereiten?

Die Karrieretage sind eine gute Gelegenheit, Coaches aus der Region entweder durch den Besuch eines Vortrags oder ein Gespräch in der Coaching-Zone persönlich kennenzulernen. Werfen Sie im Vorfeld der Messe einen Blick in das Rahmenprogramm und die Übersicht der bei einem Karrieretag anwesenden Coaches. Informieren Sie sich vorab über die Arbeitsweisen und Tätigkeitsschwerpunkte der Coaches und planen Sie, wen Sie im Rahmen der Veranstaltung treffen oder an welchen Vorträgen Sie teilnehmen möchten. Die Gespräche in der Coaching-Zone sind kostenlose Kurz-Coachings (Anmeldung vor Ort erforderlich) und können nur erste Impulse geben. Interessieren Sie sich für die anschließende Arbeit mit einem oder einer Coach, dann können Sie auch dieses Gespräch nutzen, um über das weitere Vorgehen und die individuellen Angebote zu sprechen.